Ehrenbürger und Altbürgermeister Werner Haas verstorben

Der Köditzer Ehrenbürger und Altbürgermeister Werner Haas ist am Freitag den 23.04.2021 nach vielen schweren Krankheiten im Alter von 79 Jahren verstorben.

Mit seinem Namen ist eine kommunalpolitische Ära in Köditz verbunden. Fast 30 Jahre von 1973 bis 2002 stand er an der Spitze der Gemeinde und hat damit die jüngere Gemeindegeschichte entscheidend geprägt. Geboren am 28.11.1941 in Hof war er nicht nur als Bürgermeister der Gemeinde tätig, sondern begann bereits im August 1956 als Verwaltungslehrling in der Gemeindeverwaltung. Nach seiner erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung und einem zweijährigen Intermezzo in der damals noch selbständigen Gemeinde Wölbattendorf, kehrte er wieder nach Köditz zurück. Dort legte er in den 60er Jahren zusätzlich die Fachprüfung II für Verwaltungsangestellte ab.

Am 09.09.1973 wurde er nach dem plötzlichen Tod des Amtsinhabers für viele überraschend mit 31 Jahren als damals jüngster Bürgermeister im Landkreis gewählt Die ersten Jahre seiner Amtszeit waren geprägt durch die bevorstehende Gemeindegebietsreform, aus der im Jahr 1978 die Einheitsgemeinde Köditz durch die Eingliederung der bis dahin selbständigen Gemeinden Schlegel, Brunnenthal und Joditz entstand. Im gleichen Jahr wurde er ohne Gegenkandidaten wiedergewählt und damit auch der erste Bürgermeister der größer gewordenen Gemeinde. Sein großer Rückhalt in der Bevölkerung wurde durch drei weitere Wiederwahlen ohne Gegenkandidat bestätigt.  

Neben dem Aufbau einer vergrößerten Verwaltung waren nach der Gebietsreform viele Maßnahmen zur Verbesserung der gemeindlichen Infrastruktur notwendig, die Werner Haas mit viel Tatkraft anging. Zu nennen sind exemplarisch der Bau eines Gemeindebauhofes, die Erneuerung der Saalebrücke in Joditz und der Anschluss der Ortsteile Joditz, Saalenstein und Scharten an die Fernwasserversorgung. Er achtete immer darauf, dass in allen Ortsteilen entsprechend den Notwendigkeiten Investitionen getätigt wurden, so dass die teilweise vorhandene Skepsis gegenüber der Gebietsreform relativ schnell überwunden werden konnte. Die weiteren Jahre seiner Amtszeiten waren geprägt durch Verbesserungen der Abwasserbeseitigung, den Neubau von mehreren Feuerwehrhäusern und den ersten Städtebaufördermaßnahmen zur Verbesserung des Ortsbildes.

Erfüllt werden konnte auch ein lang gehegter Wunsch der Bürger mit dem Bau der Göstrahalle, die 1990 eingeweiht wurde und sich neben der Nutzung für den Schul- und Vereinssport zu einem über die Gemeindegrenzen hinaus beliebten Veranstaltungsort entwickelt hat. Durch die Ausweisung von Wohn- und Gewerbeflächen gelang es, nach der Grenzöffnung die Einwohnerzahl zu steigern. Es entstanden neue Einkaufsmöglichkeiten in der Gemeinde und der Zuzug junger Familien führte zum Bau einer eigenen Kindertagesstätte. In den letzten Jahren seiner Amtszeit hielt er es für notwendig, dass auch die Gemeindeverwaltung vernünftige Arbeitsbedingungen bekommt und nahm noch den Neubau eines Rathauses gegenüber der Göstrahalle in Angriff, das im Jahr 2000 bezogen werden konnte.

Als Verwaltungsfachmann ist es ihm in fast drei Jahrzehnten Amtszeit stets gelungen, Gemeinderat und Bürger darauf einzuschwören, dass sich Wünsche und Verwirklichung in erster Linie an den zur Verfügung stehenden Mitteln orientieren müssen und die Finanzierung von Projekten das Gemeindehandeln nicht auf Jahre hin belasten dürfen. Darüber hinaus hat er es verstanden, mit den Gemeinderäten aller Gruppierungen hervorragend zusammen zu arbeiten. Er hat immer darauf geachtet, dass sich im Gemeinderat keine Parteipolitik etabliert, sondern Kommunalpolitik zum Wohle der Bürger gemacht wird.

Die Bürger der Gemeinde und alle, die mit Werner Haas zusammengearbeitet haben, durften ihn als Menschen kennenlernen, der um sein großes Wissen nie viel Wirbel gemacht hat und geradlinig und offen seinen Weg ging. Dabei galt er als humorvoller Mensch und diese Eigenschaft zeichnete ihn bis zuletzt aus. Privat widmete er sich in erster Linie seinem großen Garten und einer von ihm angelegten Streuobstwiese. Zusammen mit seiner bereits vor längerer Zeit verstorbenen Frau war früher auch das Reisen sein Hobby. Er besuchte alle Kontinente dieser Erde und war fasziniert von den unterschiedlichen Kulturen. Werner Haas lebte bis auf die letzten drei Jahre, die er in einer Seniorenwohnung in Hof verbrachte, im Köditzer Ortsteil Brunn.

Schon während seiner Amtszeit musste er mit einigen schweren Krankheiten leben. Es zeichnete ihn aus, dass er sich davon nie unterkriegen ließ, sondern lange erfolgreich dagegen ankämpfte und dabei nie seinen Humor verlor. Bis zuletzt war er am Geschehen in seiner Gemeinde interessiert und stand mit seinem Amtsnachfolger Matthias Beyer in Kontakt, der mit ihm noch als geschäftsleitender Beamter in seinen beiden letzten Amtszeiten zusammengearbeitet hatte.  

Für seine Verdienste um die Gemeinde Köditz erhielt Werner Haas im Jahr 1992 die kommunale Verdienstmedaille des Freistaates Bayern. 1999 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Zum Ablauf seiner letzten Amtszeit beschloss der Gemeinderat, in Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Gemeindeentwicklung ihn zum Ehrenbürger zu ernennen.

Gemeinderat, Verwaltung und Bürgerschaft in Köditz trauern um einen außergewöhnlichen Menschen, der seine ganze Schaffenskraft in den Dienst seiner Gemeinde gestellt und die positive Entwicklung über Jahrzehnte entscheidend vorangetrieben hat.

Werner Haas

Ehrenbürger und Altbürgermeister Werner Haas